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Wenn man im geographischen Sinne von der
Eifel spricht, so ist fast immer die Rede von einer sanft
gewellten Mittelgebirgslandschaft mit Vulkankegeln und
Kraterseen, den Maaren. Bereits 1819 führte der Trierer Geologe
Johannes Steininger den Begriff Maar in die geologische
Fachsprache ein. Im Dauner Raum war es damals die
Mundartbezeichnung für eine Wasserfläche.
Seit 1827 findet sich der Begriff Maar
in der internationalen geologischen Literatur. Auch Alexander
von Humboldt hat wegen der Fülle vulkanischer Erscheinungen die
Eifel bereist. Er war der letzte große Universalgelehrte der
Erde und hat in seinem Grundwerk, dem Kosmos, die Maare genau
beschrieben. Dort definiert er die Maare als „kesselförmige
Einsenkungen in nicht vulkanischem Gestein und von wenig
erhabenen Rändern umgeben, die sich selbst gebildet.“ Der
Begriff Maar ist also untrennbar an die Eifel gebunden. Nun
werden Maare aber in der Regel mit dem Westeifeler Vulkanismus
und seiner bekanntesten Ausprägung im Raum Daun verbunden. Denn
dort ist das klassische Maargebiet der Erde, von den 270
Vulkanen sind 70 Maare. Die übrigen Vulkane sind
Schlackenkegel, von denen zwei Drittel anfänglich eine
Maarphase durchmachten und sich dann zu Schlackenkegeln weiter
entwickelten. Der geringere Teil der Maare ist wassergefüllt.
Noch bis 1973 glaubte man, die Maare der Eifel seien in einer Spätphase
des Vulkanismus entstanden, zeitlich deutlich getrennt von der
Bildung der Schlackenvulkane.
Im Laacher Vulkanismus sind Maare eine
seltene und nur schwer zu erkennende vulkanische Erscheinung.
Etwas abseits, etwa in der Mitte zwischen Laacher Vulkanismus
und dem Westeifeler Vulkanismus liegt die Booser Vulkangruppe,
ganz am westlichen Rande des Landkreises Mayen-Koblenz.

Luftbild Booser Doppelmaar,
Schlackenkegel 1-4 NE
und 5-8 SW
eingezeichnet, Wanderweg gelb markiert
Und dort wurde ein wichtiges Stück
Maarforschung geschrieben:
Wieso entsteht hier ein Maar und dort
ein Schlackenkegel?
Dies war die Frage, die sich die
Vulkanologen immer gestellt haben. Die Antwort wurde 1973
gegeben. Damals veröffentlichte der heute in Würzburg lehrende
Prof. Volker Lorenz in einer italienischen Fachzeitschrift einen
Artikel über die Entstehung der Maare, in dem er die Booser
Vulkangruppe beschrieb. Er hatte anhand der Booser Vulkane
weltweit erstmals festgestellt, dass Maare und Schlackenkegel
zur gleichen Zeit tätig waren und dass die Wasserzufuhr zum
vulkanischen Förderzentrum darüber entschied, ob ein
Schlackenvulkan oder ein Maar entstand.
Wie gesagt, von den 270 vulkanischen Förderorten
des Westeifeler Vulkanismus sind insgesamt 70 dem
Maarvulkanismus zuzurechnen. Die beiden Booser Maare mit
einbeziehend konnte Lorenz feststellen, dass mit Ausnahme von
nur 3 Maaren alle übrigen Maare in Tälern liegen. Sie bildeten
sich auf den sie unterlagernden hydraulisch aktiven Bruchzonen.
Hier bei Boos also fand Lorenz die Antwort auf die Fragen der
Vulkanologen.
Das Booser Vulkansystem ist 2,5
km lang und erstreckt sich von südwestlicher in nordöstliche
Richtung. Es besteht aus 2 Maaren, sowie 8, maximal 10
Schlackenkegeln. Die Schlackenkegel liegen alle auf Hochflächen
und Talhängen. Die beiden Maare sind in ein Seitental des
Nitzbachtales eingeschnitten, wo der Bachverlauf eine
geologische Schwächezone markiert, auf der vermehrt Grundwasser
zirkulieren kann.
Wie war nun der Ablauf der Ausbrüche
bei Boos vor rund 35.000 Jahren? Zu Beginn sind im weiteren
Bereich des Schneebergs 4 Schlackenvulkane ausgebrochen.
Zeitgleich mit der Eruption des Schlackenkegels 3 am Schneeberg
beginnt die Eruption des östlichen Maares. Dies bewies der
Aufschluss in der Schlackengrube am Schneeberg. In ihr war vor
40 Jahren gut zu erkennen, dass auf den lokal ausgebildeten
Schweißschlacken die auflagernden Maarablagerungen oxidiert und
an der Basis gefrittet waren. Folglich, so Volker Lorenz, muss
der Schlackenkegel noch sehr heiß gewesen sein. Schlackenkegel
und Maar waren also zur gleichen Zeit tätig.

Schlackengrube Retterath:
Hellbraune Maartuffe in Wechsellagerung mit dunklen Ablagerungen
des Schlackenvulkans 1
Am östlichen Schlackenkegel ‚ der Schlackengrube Retterath,
gibt es derzeit noch ein Profil, dass ebenfalls deutliche
Aussagen über zeitliche Zusammenhänge macht. Dort gibt es eine
Wechsellagerung aus zwei Lagen feinkörniger Maar-Tephra und 2
Lagen Schlacken, wodurch klar wird, dass das östliche Booser
Maar und dieser kleine Schlackenkegel ebenfalls gleichzeitig
aktiv waren. Damit war die bisherige These, dass Maare in der
Endphase des Eifeler Vulkanismus entstanden seien, endgültig zu
den Akten gelegt.

Einschlagskrater einer
Lavabombe
Zusammenfassend stellte Prof. Lorenz
fest:
Maare: Alle
vulkanischen Massen steigen über Schwächezonen in der
Erdkruste auf. Täler haben ihren Verlauf in meist hydraulisch
aktiven Bruchzonen. Kam es dort zum Kontakt von glühend heißem
Gestein mit Wasser, so wandelte sich das Wasser sofort in
Wasserdampf um und entwickelte damit gewaltigen Druck. Dieser
entlud sich explosiv. Das umgebende Gestein wurde in feine Stücke
zerteilt und nach oben weg gesprengt. So entstand eine Hohlform
im ehemaligen Gesteinsverband. Ständig nachströmendes Wasser
hielt diesen Prozess aufrecht, bis keine vulkanischen Massen
mehr nachgeliefert wurden und die Energien abgebaut waren.
Schlackenkegel: Hier stieg die Magma über Bruchzonen ohne intensive Wasserzufuhr auf. Die
explosive Ausräumung des Förderkanals an der Oberfläche wurde
meist noch durch einen Kontakt von Wasser und heißer Magma
verursacht. Danach fand aber eine Förderung ohne Einwirkung von
Wasser statt. Vulkanische Lockermassen wurden abgelagert. Auf
der alten Erdoberfläche entstand ein Berg.
In Boos sind die Zeugnisse der
wissenschaftlichen Entwicklung über einen Rundweg (Kratertour)
zu erreichen, über den man sich unter der Adresse www.doppelmaar.de
im Internet informieren kann.
Die Schlackengrube am Schneeberg ist
dabei als Schlackenkegel 3 und die Schlackengrube Retterath als
Schlackenkegel auf dem unten gezeigten Luftbild zu erkennen.
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Lorenz, V.:
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On the formation of maars.
– Bull. Volcanol., 37 -2 : 138-204; Napoli,
1973
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Stachel, T.:
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Tertiäre und quartäre Vulkanite im Raum Döttingen-Boos (Hocheifel).
Eine geologische, geophysikalische und petrographische
Beschreibung. – Dipl.-Arb., Univ. Mainz, 103
S.; Mainz, 1987
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Steininger,J.:
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Geognostische Studien am Mittelrhein. – 223 S.; Mainz
(Kupferberg), 1819
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©
Bernd Ternes 2005
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